Freitag, 12. Mai 2023

Was zum...

Du fragst: "Was zur Hölle war das denn??"
Ich entgegne: "Das war ich, wie ich loslasse."

Dienstag, 19. Mai 2020

Das Kissen

Wie lange denn noch? So lange hat das noch nie gedauert.
Ich halte inne-
Ich atme noch.
Trotzdem muss ich bereits ganz kurz vorm Ende gewesen sein;
anders kann ich es mir nicht vorstellen.
Aus diesem Zustand heraus...
nach all dem sinnlosen Kämpfen...
keine Ahnung, ob man mich wieder herstellen kann.
Ich meine mich so wiederherstellen, wie ich früher war, davor.
Warum habe ich überhaupt erst zugedrückt?
(Ich weiß den Grund nicht mehr.)
War ich gefährlich?
Wenn ich das war, hoffe ich, dass ich erstmal geschwächt genug bin, um nicht sofort anzugreifen.
...aber ich halte lieber erstmal inne.
Bis ich mich wieder erinnere.
Denn ein totes Ich kann ich nicht wiederbringen.
Also ist es wohl besser, sich nochmal in Ruhe den Grund vor Augen zu führen -
bevor ich etwas vollende, was nicht wieder gut gemacht werden kann.
Hoffentlich war ich nicht böse.
Hoffentlich war es nicht gerechtfertigt.
Oder war es vielleicht falsch, dass ich es war, der die Oberhand gewonnen hat?
Wenn das so ist, wie konnte ich dann die Oberhand gewinnen?
Schwach liege ich da, ich bin fast hinüber.
Lohnt sich das überhaupt noch?

Doch eins nach dem anderen.
Ich werde erstmal herausfinden müssen,
warum ich überhaupt zugedrückt habe.

Freitag, 14. Juni 2019

Ab

Eine Bewegung. Ein Gleiten auf der Haut. Der Finger bewegt sich mühelos. Es gibt keinen Widerstand außer der Luft und der sanften Reibung auf der Haut. Ich spüre diese Reibung. Sie ist angenehm.

Diese Bewegung könnte auch die innere Abgrenzung betreffen. Dann spüren wir beide die Eingänge ins Innere des jeweils anderen. Wir empfinden Lust. So ist es gedacht. So soll es sein.

Eine andere Bewegung. Sie erfordert Kraft. Der Widerstand ist das eigene Fleisch. Es tut weh. Diesen Weg gehen Wenige. Es fühlt sich falsch an. Der Zweck heiligt die Mittel, aber was ist der Zweck? Was erwarte ich im Dazwischen? Es ist rein explorativ. Die Hoffnung ist, dass sich das Leid irgendwann auszahlt. Jetzt zurückzugehen wäre töricht. Ich könnte auf Gold stoßen. Niemand außer mir war bisher hier. Und irgendwann wird der Widerstand weniger.

Ich bewege mich weiter durch meine Haut. Das muss ich tun. Doch als ich merke, was tatsächlich passiert, ist es bereits zu spät: Ich bin am Ende angekommen. Ich bin durch mich durch. Was einst mir gehörte, ist tot, fällt einfach ab.

Samstag, 9. März 2019

Über Trauminkubation (und Musik)

Der geneigte Leser wird festgestellt haben, dass sich dieser Blog ab und zu um meine Überlegungen zu verschiedenen Traumbelangen dreht. Ich bin ein sehr extensiver Tagträumer, aber wenn ich in diesem Blog übers Träumen spreche, sind meistens die nächtlichen Erfahrungen während des Schlafs gemeint.

Nun möchte ich ein Thema anreißen, das aus meiner Perspektive eine sehr große phänomenologische Wichtigkeit aufweist, aber worüber bisher kaum gesprochen wird. Es geht um Trauminkubation. Dies ist die willentliche Festlegung bestimmter Inhalte, die man während des Schlafs erlebt. Diese Festlegung wird aber getroffen, während man wach ist. Und das ist auch schon der entscheidende Unterschied zum deutlich "hipperen" Klar- bzw. luziden Träumen: Auch da kann man nämlich unter Umständen (und eine gewisse Erfahrung vorausgesetzt) Trauminhalte aktiv gestalten. Das aber geschieht in Echtzeit aus dem Traum heraus - die gewünschten Veränderungen der Umgebung in Echtzeit können nur geschehen, indem man sich bewusst ist, dass es eine subjektive Veränderlichkeit der Umgebung gibt, was unabänderlicherweise den empfundenen Realitätsgrad der gleichzeitigen Erfahrungen und Empfindungen schmälert.

Was aber, wenn man von etwas Bestimmtem träumen möchte - beispielsweise dem Kontakt mit einer Person, der einem im Wachleben Probleme bereiten würde - ohne sich der Illusion bewusst zu sein, dass jede Wahrnehmung nur im eigenen Kopf entsteht und keinen über die Schlafphase währenden Bestand haben wird? Dies ginge nur mit der bisher nur hypothetisch existierenden Trauminkubation. Später mehr zum Zweck dazu, aber zunächst möchte ich meine Gedanken zu zwei möglichen Ansätzen einer Umsetzung loswerden. Warum sich über die Möglichkeiten den Kopf zerbrechen, wenn man nicht einmal sicher ist, dass man einen solchen Zustand überhaupt hervorrufen kann?

Um Traumthemen gezielt zu inkubieren, bräuchte es zunächst ein tiefergehendes Verständnis der Gesetzmäßigkeiten, welche Erfahrungen der Wachwelt auf welche Weise in die Traumwelt eingearbeitet werden. Dass es eine gewisse Kontinuität zwischen Wach- und darauffolgenden Traumerfahrungen gibt ist unbestritten. Aber woran liegt es, dass manche Aspekte des Tagesgeschehens eingearbeitet werden und manche nicht? Warum träume ich vom Streit mit dem Chef, aber nicht, dass meine Freundin mit mir Schluss gemacht hat?

An dieser Stelle kurz eine Vermutung, welcher Faktor hier eine Rolle spielen könnte. Ich habe oft beobachtet, dass neuartige, ungewohnte Wacheindrücke keinen Eingang in meine Träume finden, wenn ich mir irgendwann nach dem Ereignis, aber noch vor dem Schlafen denke: "Hm, das war aber seltsam. Ich muss nochmal aktiv darüber nachdenken, um zu verstehen, was gerade passiert ist", oder aber auch "Hm. Ob ich heute wohl davon träumen werde?". Das habe ich oft bei mir beobachtet, aber nicht systematisch überprüft (das systematisch und wissenschaftlich zu überprüfen dürfte sich als sehr schwierig erweisen). Es scheint also, als würden im Schlaf nur jene Wacheindrücke noch verarbeitet werden, die nicht ohnehin schon von dem wachen Verstand Aufmerksamkeit und Verarbeitung erfahren haben. Sollte das der einzige bestimmende Faktor sein, der den Trauminhalt vorhersagt, dürfte sich bewusste Trauminkubation als äußerst kompliziert erweisen. Es bräuchte einen Balanceakt, etwas zu wollen, gleichzeitig aber nicht zu sehr daran zu denken, um eine Restnotwendigkeit für eine Verarbeitung im Schlaf übrig zu lassen.

Ungeachtet dieser Vermutung wäre eine systematische Herangehensweise vonnöten, um besagte Gesetzmäßigkeiten (oder Faktoren, die beeinflussen, welche Wacherfahrungen auf welche Weise im Schlaf auftauchen) zu skizzieren.  Die naive Herangehensweise wäre, ein Wachtagebuch mit einem Traumtagebuch abzugleichen. Das wäre aber wenig systematisch und sehr ineffizient. Erstens sind die Ereignisse in einem Tag schwer kontrollierbar. Demnach ist es nahezu unmöglich, gezielt Hypothesen über die Gesetzmäßigkeiten zu treffen. Zweitens hat man nur sehr wenig Daten zur Verfügung, da man auf einen 24-stündigen Wach-Traum-Zyklus angewiesen ist. Nicht zuletzt stellt ungenaues Gedächtnis an erfahrene Trauminhalte (die nach einer etwa 8-stündigen Nacht zu erwarten sind) die Verlässlichkeit der Befunde infrage.

Diese Hürden könnten umgangen werden, aber die von mir vorgeschlagenen Herangehensweisen sind noch sehr hypothetisch. Zunächst würde ich ein Virtual-Reality-Set (Brille, Kopfhörer, evtl. andere Sinnesstimulatoren) empfehlen, um in kontrollier Weise Erlebnisinhalte zu präsentieren. Danach wäre eine gezielte Schlafinduktionsmethode vorteilhaft. Eventuell könnte mit dem gleichen VR-Set und maschinellem Lernen eine bestimmte Stimulationskonfiguration gefunden werden, die den jeweiligen Probanden binnen weniger Minuten in den Schlaf befördert. Nach einer REM-Phase, nach der erwiesenermaßen die lebhaftesten Träume berichtet werden, werden dann die Probanden geweckt. Idealerweise kommt dann eine standardisierte Methode zum Einsatz, um die Trauminhalte abzufragen. Dazu hätte ich auch eine Idee, aber die würde in diesem Post den Rahmen sprengen. Kurz gesagt vermute ich, dass eine Klassifikation bestimmter Hirnaktivierungsmuster, die auf die Präsentation bestimmter Stichwörter folgen, es erlaubt, objektive Rückschlüsse auf den Trauminhalt zu ziehen.

Sollte dieses Experimentalparadigma Früchte tragen und generelle Gesetzmäßigkeiten offenbaren, nach denen Wacherfahrungen Eingang in die Traumwelt finden, dann ist der Schritt zur Trauminkubation nicht mehr weit. Jetzt müssten diese Regeln einfach in die Sprache des VR-Sets übersetzt werden, sodass der kommende Traum von dem den Regeln entsprechenden Inhalt handelt.

Dieser Herangehensweise liegt aber die Annahme zugrunde, dass Trauminhalte durch vorhergehende Erfahrungen bestimmt werden. Das liegt auch nahe, denn die Alternative - Träume werden durch gleichzeitige Stimulation bestimmt - klingt zunächst abwegig. Man bekommt ja in der Regel nix davon mit, was gleichzeitig um einen herum passiert, während man schläft. Dennoch ist es denkbar, dass unterschwellige Stimulation - das Surren einer entfernten Mücke, das Rauschen der Blätter, streichelnder Wind auf der Haut - ebenso oder vielleicht sogar alleinig den Trauminhalt festlegt. Natürlich gibt es auch hier keine 1:1-Übersetzung tatsächlich stattfinder Sachverhalte und den Traumerlebnissen. Das würde bedeuten, dass schlafende Personen alles aus ihrer Umgebung mitbekommen. Vielmehr müsste es auch in diesem Fall Übersetzungsregeln geben, die identifiziert werden müssten. Um diesen auf den Grund zu gehen, dürfte sich die Kommunikation mit einer im Klartraum befindlichen Person als hilfreich erweisen. Diese könnte in Echtzeit, vor allem über Augensignale, kommunizieren, wie sich die Traumumgebung verändert, während der wache Experimentalleiter die tatsächlichen Stimuli kontrolliert. Allerdings ist die Nutzung eines Klartraums hier eventuell in dem Maße problematisch, wie der Klarträumer bewusst oder unbewusst die Traumumgebung verändert. Notfalls müsste man auch mit dieser Herangehensweise mit periodischen Weckungen operieren, wie weiter oben ausgeführt.

Wenn ich so darüber nachdenke, ist diese Annahme (gleichzeitige Stimulation wird in Trauminhalte übersetzt) mit Musik vergleichbar. Wir hören den gleichen Song, aber er ruft unterschiedliche Emotionen in jeder Person hervor. Manche Stücke lassen manche Menschen komplett kalt und bedeuten für andere wiederum die Welt. Es liegt nicht an der Musik an sich, welche Emotionen entstehen, sondern an den individuellen Übersetzungsregeln. Die Musik liefert nur das Ausgangsmaterial.

Wozu aber den Aufwand betreiben, Trauminkubation zu verstehen und hervorzurufen? Was kann dieser Ansatz bieten, was uns nicht schon das bewiesene Klaträumen gibt? Ich denke, bis hier hin ist es ziemlich klar. Der Zweck liegt in der Erfahrung selbst. Solange man einen solchen Traum hat, lebt man in der Wirklichkeit. Und dies ist eine Wirklichkeit, die du dir selbst zu 100% gewählt hast. Du legst Personen fest, ihre Charakterzüge, wo die Szenerie stattfindet, und begibst dich mit allem was du hast, ohne jeglicher Desillusion, in diese von dir selbst gewählte Realität. Du kannst den Himmel erfahren und daran glauben, dass du ihn erreicht hast, wenn du möchtest.

Und was passiert beim Aufwachen? Ist man zu Tode betrübt, dass das alles nicht Echt war? Ist man wütend? Nein, denn das macht keinen Sinn. Auf wen sollte man wütend sein? Auf sich selbst, dass man sich eine solche Erfahrung mit 100%iger Immersion erlaubt hat? Nein, man ist dankbar dafür, geht den Tag hat, lebt sein Leben, und freut sich auf die nächste Nacht.

~ N/A, 9. 3. 2019

Freitag, 28. Dezember 2018

dewop

Dreams envisioned with other people.

Ein massives Projekt, allerdings ist das Ziel nicht ganz klar. Nur das Gefühl, das bei der Benutzung dieses Systems hinterlassen wird, steht fest.

Es ist eine Freizeitbeschäftigung. Es hat nicht mehr und nicht weniger Sinn als ein Kunstwerk. Dennoch ist Bedarf da. Millionen, wenn nicht Millarden Menschen werden es benutzen. Denn es ist Erholung. Und vielleicht ist es diese eine Erfindung und deren Umsetzung, die mich reich machen wird.

Als ich diesen Tagtraum konsequent weiterführe, sehe ich mich in dein Ohr flüstern (denn kein anderer darf es erfahren), dass ich Millardär bin. Das erste Mal habe ich wohl etwas undeutlich geflüstert, darum wiederhole ich es: Millardär. Nein, an einem Millionär ist schließlich nichts Besonders. Ich will deinen Gesichtsausdruck sehen.

Was ist dewop?

Es wird sich in Schritten entwickeln. Doch dazu später mehr. Der erste Schritt ist fast so simpel, dass ich ihn selbst umsetzen könnte. Ein Chat. Den Verlauf legst du fest, du, ein Benutzer. Du hast Kontrolle. Kein unerwünschtes Abdriften in unangenehme Themenbereiche. Einzig die Wünsche deines Unterbewussten sowie deines vollen Bewusstseins werden bestimmen, wohin der Chat geht. Und immer, wenn du ein gewünschtes Ziel erreicht hast, wirst du mit Pluspunkten belohnt. Diese werden unten in der Texteingabezeile kurz eingeblendet. Ja, du wirst belohnt, wenn deine Wünsche erfüllt werden, was auch sehr oft passieren wird, denn es gibt keinen Widersacher, niemanden, der dich an deiner Wunscherfüllung hindern wird.

Ist dewop also die Erfüllung all deiner Wünsche? Mit Sicherheit nicht.

Wie gesagt, es handelt sich um einen Chat. Wenn dein Ziel vor allem ist, verbal zu überzeugen, dann wird dich dewop sehr glücklich machen. Aber was ist mit menschlichem Kontakt? Bilder sehen? Andere Stimmen hören? Den Geschmack von deliziösem Essen auf der Zunge spüren? Anderen deine Welt zeigen?

Nun, ich sagte bereits, dieses System wird sich in Schritten entwickeln. Zunächst: Ein Bestandteil, der von Anfang zum dewop-System gehören wird, ist ein flexibler Wechsel der Gesprächspartner. Genauer gesagt: Ob du gerade mit einem echten Menschen an einem anderen Computer redest oder - wie es größtenteils der Fall sein wird - mit künstlicher Intelligenz, hängt davon ab, ob es gerade Menschen gibt, die deine Ansichten zu dem jeweiligen Thema teilen. Wenn nicht: Du wirst den fließenden Übergang nicht bemerken, es wird sich ein intelligentes Computerprogramm einschalten und dir zustimmen. Das zeitweise Zuschalten echter Personen ist ein integraler Bestandteil. Es heißt nicht umsonst dreams envisioned WITH other people. Doch über allem steht das Prinzip, dass dir unwidersprochen bleibt. Dreams envisioned. Es bedeutet eine große, persönliche Freisetzung positiver Energie.

Braucht es zur Umsetzung Musik? Einen begleitenden Soundtrack, der den jeweiligen Ton des Chats unterstützt? Kein Problem, das kann ich mittlerweile selbst einfügen. Auch dies könnte bereits Teil der ersten Iteration sein.

Und wenn ich herausfinden möchte, wann ein echter Mensch eingeschaltet wurde? Das herauszufinden widerspricht gewissermaßen dem Grundprinzip von dewop. Und doch, wenn die Information da ist, mit welchem Recht soll ich diese meinen Benutzern vorenthalten? Es sollte nur schwerer gemacht werden, diese zu erhalten, sonst nutzt jeder diese Funktion, was dann das Ende dieses semi-interaktiven Systems sein wird. Vielleicht jedoch gegen eine gewisse Bezahlung? Eine Pro-Version könnte Usern ohne Probleme alles offen legen, welche Person (anonymisiert natürlich) wann zugestimmt hat, bis hin zu allen Themen, die eine bestimmte Person als gut befunden hat. Gegen eine noch größere Bezahlung könnte sogar eine Kontaktherstellung denkbar sein. Nur wenn die andere Person der Kontaktaufnahme zustimmt, wird der Betrag abgerechnet.

Doch dies ist erst der erste Schritt. Wie schon erwähnt, die Chatform ist die erste Iteration. Iteration bedeutet: Es ist eine Version, die verbessert werden kann. Nicht nur werden in nächsten Versionen Fehler ausgemerzt, sondern es wird, aufbauend auf Bisherigem, eine neue Richtung eingeschlagen. Iterationen werden immer dann eingesetzt, wenn eine Lösung eines Problems nicht direkt erreicht werden kann, sondern immer mehr angenähert werden muss. Es ist Aufgabe der Perfektion, um mit dieser Demutshaltung am Ende ein viel größeres Ziel zu erreichen. So auch bei dewop:

dewop ist an sich kein Chat-System. Denn dies ist erst der Anfang. In späteren Iterationen wird es eher Träumen ähneln. Träume, in denen man sehen, riechen, fühlen kann. Träume, die sich zeitweise mit den echten Träumen echter anderer Personen verbinden. Die technische Umsetzung bedarf Rechtfertigung. Und auch hier habe ich meinen Tagtraum konsequent weitergeführt und sehe mich in einer kritischen Unterhaltung mit meinem Doktorvater. Er stellt die Frage "Und wie?", die von einem sehr geringen Maß an Geduld zeugt. Ich starte meine Präsentation und zeige die neuronalen Grundlagen, seiner Skepsis strotzend, bereit zu überzeugen.

Wege, die ich bisher in meinem Leben gewählt hab, konvergieren in dieser Projektidee, die mir präsentiert wurde in einem Traum. Wer mitmachen möchte, meldet sich bei mir.

Und was ist mit der Vermittlung neuer Informationen? Wenn du im Prinzip nur mit dir selbst redest, wirst du keine neuen Erkenntnisse gewinnen. Und ja, es stimmt. dewop ersetzt keine echten Gespräche. Es ist komplementär. Es ist Erholung. Es ist das Äquivalent des passiven Sitzens vor dem Fernseher. Doch es ist angepasst an die Bedürfnisse der Menschen von heute. Es gibt immer mehr Bedarf, seine eigene genaue Vorstellung der Welt umzusetzen. Mal eine Zeit zu haben, in der keiner widerspricht. Erholung! Es ist so nötig, auch davon etwas zu haben, dass Leute bereitwillig dewop benutzen werden, auch wenn sie am Anfang einer Ent-Täuschungs-Klausel zustimmen müssen, dass Vieles von dem, was sie kommunizieren, eine Konversation mit dem eigenen Ich ist. Und dewop-Kritiker, die diese kleinliche, egoistische Welt belächeln und auslachen, werden überstimmt werden von jenen, die dieses Angebot bereitwillig annehmen.

Donnerstag, 23. August 2018

Nach dem Ende

Im Folgenden drei Optionen, was nach all dem kommt. Drei Optionen, gefährlich halbdurchdacht.

Option 1. Nach diesem Leben kommt nichts mehr für mich. Es gibt dann keinen mehr, der diese Erfahrungen gemacht hat, die ich in diesem Leben gesammelt habe. Nichts, die Bühne frei für neue Erlebende. Das ist ja auch das Naheliegendste - was soll auch schon kommen. Vor meiner Geburt gabs mich nicht und mich wird es auch nach dem Tod nicht geben. Der Unterschied zwischen Geburt und Tod ist nur, dass ich mich graduell aus dem Nichts entwickelt habe und der Tod mich wahrscheinlich plötzlich in Jenes katapuliert. "Mich" "gibts" auch nach jedem Einschlafen für eine kurze Zeit nicht und es hat mich nie wirklich gestört. Da ist kein Mysterium, das der eigene Tod aufwirft und das durch Annahme eines Jenseits gelöst werden will. Jedes Kopfzerbrechen darüber ist futil. Oder?

Option 2. Man kommt nach dem Sterben in den Himmel oder in die Hölle. Nee, das war nur Spaß.

Option 2. Ich erwache nach dem Dahinscheiden aus der Simulation. A-ha! Ja, da kommt das Simulationsargument. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich Elon Musks Gedankengang wirklich verstehe, aber zwei Gedankenstränge zusammengenommen sprechen meines Erachtens sehr für das Argument, dass all unsere Wahrnehmung nicht wirklich die Realität widerspiegelt, sondern eine abgeschirmte, kreierte Welt innerhalb der Realität. Oder eine kreierte Welt innerhalb einer kreierten Welt. Oder eine kreierte Welt innerhalb einer kreierten Welt innerhalb einer kreierten Welt. Ich höre jetzt auf, da ich mich heute noch auf den kleinen Bruder des Todes (= Schlaf) freue.
Der erste Gedankenstrang: Simulationen werden immer besser. Selbst in dieser Realität, sei sie nun simuliert oder echt, gab es vor wenigen Jahrzehnten noch Pong und nun beinahe fotorealistische Echtzeitgrafiken. Wenn dieser Sprung in so kurzer Zeit möglich ist, was kommt dann in 100 Jahren? In 1000? 10.000? Eventuell hat die Spieletechnik in der jetzigen Form schon die maximale Entwicklungsstufe erreicht und es wird nie solche "Spiele" geben, die vergessen lassen was Drumherum passiert. Das glaube ich aber nicht. Und es ist auch unwahrscheinlich, wenn man sich den bisherigen Entwicklungsverlauf anschaut. Auch wenn es eine Million Jahre dauert, dann kommt es dem Argument dennoch zugute. Es zählt nämlich nicht, wann es passieren wird, sondern die Möglichkeit, dass es schon einmal passiert ist - und wir nie wirklich Menschen waren, sondern gasförmige Pilze in einem Multimultiversum, die sich mal gefragt haben, wie es so ist mit Raum und Zeit und als Mensch mit einer langen Nase.
Gedankengang zwei: Alles, was wir von der Welt wissen, ist schon simuliert. Mag sein dass das im vielleicht komplexesten Apparat der Galaxie passiert, aber die Rechenkapazität eines Gehirns kann bestimmt noch artifiziell getoppt werden. Ohne unsere sehr eingeschränkten Sinne wüssten wir nichts von der Welt und über uns. Die gasförmigen Pilze könnten jetzt vielleicht ein Computerspiel namens menschliches Leben geschaffen haben, und ihre Sinneseindrücke und interne Informationsverarbeitung wurde so mit dem Spiel verknüpft, dass diese für 80 Erdenjahre glauben, zu Sehen, zu Riechen, zu Schmecken etc. etc.
Wenn die Spieletechnologie in der richtigen Realität so weit fortgeschritten ist, dass dies möglich ist, dann können bestimmt unzählige solcher Simulationen laufen. Unzählige Simulationen gegen eine Basisrealität - was ist wahrscheinlicher, und was kommt nach dem "Tod"?

Elon, kannst kurz Bescheid geben ob ich das so richtig verstanden habe?

Option 3. Ja, Option 3. Ich komme zurück zur Hölle. Das Gute ist: Diese Option ist äußerst unwahrscheinlich, die Betonung liegt auf äußerst. Die These lautet: Man verweilt ewig in dem letzten gefühlten Zustand.
Um schnell wieder von dieser Idee wegzukommen, möchte ich sie schleunigst abhandeln. Folgendes hatte ich mir zu diesem Worst-Case-Szenario überlegt: Erstens ist der Zusammenhang zwischen Bewusstsein und materieller Welt nicht vollends geklärt. Man kann logisch argumentieren, dass dieser Zusammenhang nie ganz geklärt werden wird. Ich verweise hiermit auf das Leib-Seele-Problem und die Erklärungslücke. Wenn man die Regeln nicht genau kennt, kann man auch nicht ausschließen, dass sich Bewusstsein den bisher bekannten physikalischen Regeln entzieht. Zweitens: Was nach dem Tod passiert, wird nicht evolutionär selektiert. Wenn man nun im Zustand ewiger Todesschmerzen eingefroren ist, dann sind die Gene trotzdem schon weitergegeben oder futsch.
Macht das Sinn? Vermutlich so gut wie gar nicht. Ist auch gut so. Ich möchte nicht in dem Erlebniszustand des Todeszeitpunkts eingefroren sein, während mir das herunterfallende Klavier alle Knochen gebrochen hat. Aua! Aber warum erwähnen, wenn komplett utopisch? Erstens, weil es eben nicht absolut unmöglich ist. Es gibt Argumente dafür, also liegt die Wahrscheinlichkeit über 0. Wenn man auf einer oben offenen Skala angeben müsste, wie sehr man sich das Szenario wünscht, würde ich sagen gegen negativ unendlich. Und ein sehr kleiner Wert mal Unendlich ist immer noch Unendlich. Worauf ich hinaus will: Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses und die Attraktivität des Ereignisses bestimmen beide zusammen, wie sehr ich dieses Ereignis verfolgen sollte. Und nach dieser Überlegung möchte ich alles tun, später nicht qualvoll zu sterben.

Nun denn, schlaft gut, liebe Leser!

Dienstag, 10. Juli 2018

Herbstgefühle

Ich fühle das, was andere fühlen. Eine diffuse, aber bestimmte Vorfreude. Draußen am Himmel hängen schwere graue Wolken. Und es ist kalt. Dies ist kein schlechtes Wetter an einem Sommertag. Nein, dies ist der Herbst. Ich fühle das, was andere fühlen. Die allermeisten haben es in der Übergangszeit genannt Frühling, und ich auch. Nur habe ich es dann nicht so stark wie in der Übergangszeit Herbst.

Die Vorfreude kommt. Und mit ihr die Hoffnung. Die stehende Luft gerät wieder in Bewegung. Etwas verändert sich. Meine Chance. Die allermeisten haben bereits das erlebt, was die Zeit des Übergangs verheißen ließ: den Sommer. Manche hatten Erfolg. Manche weniger. Nun ist er vorbei. Es ist die Chance für die Wenigen. Das, was ich mir ersehne, dazu gibt es jetzt Gelegenheit. Dinge sammeln sich neu, die frei gestaltbare Zeit ist vorüber, der institutionalisierte Beginn eines neuen Jahres führt Menschen neu zusammen. Die meisten vermissen die vergangene Freiheit. Ich reiche nach der helfenden Hand und suche Anschluss.

Es ist meine Chance. Wie ein kleines Kind ergreift mich die Naivität jedes Jahr aufs Neue. Dieses Jahr werde ich es schaffen.

Doch das Kind in mir blickt verwirrt auf. Die helfende Hand bleibt aus. Wie schon letztes Jahr. Und das Jahr zuvor. Meine Gefühle der Hoffnung leiten mich in die Irre. Denn der Weg der Bildung ist bereits abgeschlossen; nie wieder kann ich guten Gewissens mit vielen anderen die Identität des zu Belehrenden annehmen und so zum größten Teil der Zeit mit anderen wachsen. Nun gilt es, Kompetenz auszustrahlen, nach der ich mich jedoch nie gesehnt habe. Alles, was ich je wollte, war mit dir zusammenzuwachsen. Mit Personen wie dir. Wie knapp davor war ich tatsächlich? Und wie viele Jahre müssen noch vergehen bis ich mich nicht mehr den Chancen hinterhersehne?

Und doch, nie möchte ich dieses Gefühl der Hoffnung verlieren. Vielleicht muss ich danach mein Leben ausrichten.