Donnerstag, 23. August 2018

Nach dem Ende

Im Folgenden drei Optionen, was nach all dem kommt. Drei Optionen, gefährlich halbdurchdacht.

Option 1. Nach diesem Leben kommt nichts mehr für mich. Es gibt dann keinen mehr, der diese Erfahrungen gemacht hat, die ich in diesem Leben gesammelt habe. Nichts, die Bühne frei für neue Erlebende. Das ist ja auch das Naheliegendste - was soll auch schon kommen. Vor meiner Geburt gabs mich nicht und mich wird es auch nach dem Tod nicht geben. Der Unterschied zwischen Geburt und Tod ist nur, dass ich mich graduell aus dem Nichts entwickelt habe und der Tod mich wahrscheinlich plötzlich in Jenes katapuliert. "Mich" "gibts" auch nach jedem Einschlafen für eine kurze Zeit nicht und es hat mich nie wirklich gestört. Da ist kein Mysterium, das der eigene Tod aufwirft und das durch Annahme eines Jenseits gelöst werden will. Jedes Kopfzerbrechen darüber ist futil. Oder?

Option 2. Man kommt nach dem Sterben in den Himmel oder in die Hölle. Nee, das war nur Spaß.

Option 2. Ich erwache nach dem Dahinscheiden aus der Simulation. A-ha! Ja, da kommt das Simulationsargument. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich Elon Musks Gedankengang wirklich verstehe, aber zwei Gedankenstränge zusammengenommen sprechen meines Erachtens sehr für das Argument, dass all unsere Wahrnehmung nicht wirklich die Realität widerspiegelt, sondern eine abgeschirmte, kreierte Welt innerhalb der Realität. Oder eine kreierte Welt innerhalb einer kreierten Welt. Oder eine kreierte Welt innerhalb einer kreierten Welt innerhalb einer kreierten Welt. Ich höre jetzt auf, da ich mich heute noch auf den kleinen Bruder des Todes (= Schlaf) freue.
Der erste Gedankenstrang: Simulationen werden immer besser. Selbst in dieser Realität, sei sie nun simuliert oder echt, gab es vor wenigen Jahrzehnten noch Pong und nun beinahe fotorealistische Echtzeitgrafiken. Wenn dieser Sprung in so kurzer Zeit möglich ist, was kommt dann in 100 Jahren? In 1000? 10.000? Eventuell hat die Spieletechnik in der jetzigen Form schon die maximale Entwicklungsstufe erreicht und es wird nie solche "Spiele" geben, die vergessen lassen was Drumherum passiert. Das glaube ich aber nicht. Und es ist auch unwahrscheinlich, wenn man sich den bisherigen Entwicklungsverlauf anschaut. Auch wenn es eine Million Jahre dauert, dann kommt es dem Argument dennoch zugute. Es zählt nämlich nicht, wann es passieren wird, sondern die Möglichkeit, dass es schon einmal passiert ist - und wir nie wirklich Menschen waren, sondern gasförmige Pilze in einem Multimultiversum, die sich mal gefragt haben, wie es so ist mit Raum und Zeit und als Mensch mit einer langen Nase.
Gedankengang zwei: Alles, was wir von der Welt wissen, ist schon simuliert. Mag sein dass das im vielleicht komplexesten Apparat der Galaxie passiert, aber die Rechenkapazität eines Gehirns kann bestimmt noch artifiziell getoppt werden. Ohne unsere sehr eingeschränkten Sinne wüssten wir nichts von der Welt und über uns. Die gasförmigen Pilze könnten jetzt vielleicht ein Computerspiel namens menschliches Leben geschaffen haben, und ihre Sinneseindrücke und interne Informationsverarbeitung wurde so mit dem Spiel verknüpft, dass diese für 80 Erdenjahre glauben, zu Sehen, zu Riechen, zu Schmecken etc. etc.
Wenn die Spieletechnologie in der richtigen Realität so weit fortgeschritten ist, dass dies möglich ist, dann können bestimmt unzählige solcher Simulationen laufen. Unzählige Simulationen gegen eine Basisrealität - was ist wahrscheinlicher, und was kommt nach dem "Tod"?

Elon, kannst kurz Bescheid geben ob ich das so richtig verstanden habe?

Option 3. Ja, Option 3. Ich komme zurück zur Hölle. Das Gute ist: Diese Option ist äußerst unwahrscheinlich, die Betonung liegt auf äußerst. Die These lautet: Man verweilt ewig in dem letzten gefühlten Zustand.
Um schnell wieder von dieser Idee wegzukommen, möchte ich sie schleunigst abhandeln. Folgendes hatte ich mir zu diesem Worst-Case-Szenario überlegt: Erstens ist der Zusammenhang zwischen Bewusstsein und materieller Welt nicht vollends geklärt. Man kann logisch argumentieren, dass dieser Zusammenhang nie ganz geklärt werden wird. Ich verweise hiermit auf das Leib-Seele-Problem und die Erklärungslücke. Wenn man die Regeln nicht genau kennt, kann man auch nicht ausschließen, dass sich Bewusstsein den bisher bekannten physikalischen Regeln entzieht. Zweitens: Was nach dem Tod passiert, wird nicht evolutionär selektiert. Wenn man nun im Zustand ewiger Todesschmerzen eingefroren ist, dann sind die Gene trotzdem schon weitergegeben oder futsch.
Macht das Sinn? Vermutlich so gut wie gar nicht. Ist auch gut so. Ich möchte nicht in dem Erlebniszustand des Todeszeitpunkts eingefroren sein, während mir das herunterfallende Klavier alle Knochen gebrochen hat. Aua! Aber warum erwähnen, wenn komplett utopisch? Erstens, weil es eben nicht absolut unmöglich ist. Es gibt Argumente dafür, also liegt die Wahrscheinlichkeit über 0. Wenn man auf einer oben offenen Skala angeben müsste, wie sehr man sich das Szenario wünscht, würde ich sagen gegen negativ unendlich. Und ein sehr kleiner Wert mal Unendlich ist immer noch Unendlich. Worauf ich hinaus will: Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses und die Attraktivität des Ereignisses bestimmen beide zusammen, wie sehr ich dieses Ereignis verfolgen sollte. Und nach dieser Überlegung möchte ich alles tun, später nicht qualvoll zu sterben.

Nun denn, schlaft gut, liebe Leser!

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