Ich fühle das, was andere fühlen. Eine diffuse, aber bestimmte Vorfreude. Draußen am Himmel hängen schwere graue Wolken. Und es ist kalt. Dies ist kein schlechtes Wetter an einem Sommertag. Nein, dies ist der Herbst. Ich fühle das, was andere fühlen. Die allermeisten haben es in der Übergangszeit genannt Frühling, und ich auch. Nur habe ich es dann nicht so stark wie in der Übergangszeit Herbst.
Die Vorfreude kommt. Und mit ihr die Hoffnung. Die stehende Luft gerät wieder in Bewegung. Etwas verändert sich. Meine Chance. Die allermeisten haben bereits das erlebt, was die Zeit des Übergangs verheißen ließ: den Sommer. Manche hatten Erfolg. Manche weniger. Nun ist er vorbei. Es ist die Chance für die Wenigen. Das, was ich mir ersehne, dazu gibt es jetzt Gelegenheit. Dinge sammeln sich neu, die frei gestaltbare Zeit ist vorüber, der institutionalisierte Beginn eines neuen Jahres führt Menschen neu zusammen. Die meisten vermissen die vergangene Freiheit. Ich reiche nach der helfenden Hand und suche Anschluss.
Es ist meine Chance. Wie ein kleines Kind ergreift mich die Naivität jedes Jahr aufs Neue. Dieses Jahr werde ich es schaffen.
Doch das Kind in mir blickt verwirrt auf. Die helfende Hand bleibt aus. Wie schon letztes Jahr. Und das Jahr zuvor. Meine Gefühle der Hoffnung leiten mich in die Irre. Denn der Weg der Bildung ist bereits abgeschlossen; nie wieder kann ich guten Gewissens mit vielen anderen die Identität des zu Belehrenden annehmen und so zum größten Teil der Zeit mit anderen wachsen. Nun gilt es, Kompetenz auszustrahlen, nach der ich mich jedoch nie gesehnt habe. Alles, was ich je wollte, war mit dir zusammenzuwachsen. Mit Personen wie dir. Wie knapp davor war ich tatsächlich? Und wie viele Jahre müssen noch vergehen bis ich mich nicht mehr den Chancen hinterhersehne?
Und doch, nie möchte ich dieses Gefühl der Hoffnung verlieren. Vielleicht muss ich danach mein Leben ausrichten.
Der Bankdiebstahl
vor 12 Jahren
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