Ich sitze grade schon wieder an einer Unter- bzw. Entscheidung, die für
mich schwer zu treffen ist. Sie bezieht sich auf die Strategie bei
Problemen im Leben, nämlich diese zu ignorieren oder anzugehen.
Wahrscheinlich kommt es auch auf das Problem an.
Konkretes und für mich gängiges Beispiel: unglückliche Verliebtheit. Ich
habe viele sagen hören, dass diese mit der Zeit von alleine
verschwindet und je mehr man sich mit der Person beschäftigt, desto
länger dauert es. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch hier
instinktiv das Problem angehen. Wieso ist diese Infatuation zustande
gekommen, wie kann ich möglichst schnell und vollständig von dieser
kognitiven Verstimmung loskommen, warum kann es mit dieser Person nicht
funktionieren, wie kann ich so etwas in Zukunft vermeiden? Antworten auf
all diese Fragen wären sicherlich erstrebenswert, erfordern aber
Reflexion. Stattdessen wird empfohlen, sich abzulenken. Aber was
unterscheidet dieses Problem von anderen, die man angehen sollte?
Ein anderer Anwendungsfall, der für mich gerade womöglich relevant ist:
Mir kam es in den letzten Jahren vor, als würde ich in der Vergangenheit
leben und nicht im Hier und Jetzt präsent sein. Diese Vergangenheit, in
der ich lebte, lag teilweise schon Jahre zurück. In der Folge gelang es
mir nicht wirklich, meinem episodischen Gedächtnis neue, wertvolle
Erfahrungen einzuprägen. Wie soll aber irgendjemand aus so einem Sog
wieder herauskommen? Indiziert wären wahrscheinlich
Achtsamkeitstechniken, die dabei helfen, das Hier und Jetzt wieder
schätzen zu lernen. Aber dennoch habe ich mich immer wieder auf
Vergangenes zurückgeworfen gefühlt, hab es halb versucht zu unterdrücken
und halb habe ich mich dem hingegeben; bis ich heute mal einen Haufen
alter Nachrichten gelesen habe von der Person an der ich gerade hänge
und einen möglichen Fehler von mir entdeckt habe, den ich damals
begangen habe, und der wahrscheinlich Ursache für diesen Zustand war.
Zugegebenermaßen, mit dem Wissen allein kann ich diesen Zustand noch
nicht verbessern, denn die Persönlichkeitseigenschaften, die damals zu
dem Fehler führten, sind immer noch bei mir da. Dennoch: Wenn man eine
solche Erkenntnis als Erfolgserlebnis sehen kann, in welchem Fall sollte
man dann überhaupt Probleme ignorieren? Wenn man an Vergangenem hängt,
gibt es womöglich irgendwo im Untergrund ein Problem, das wirklich gelöst werden muss!
Der Bankdiebstahl
vor 12 Jahren
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