Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Es scheint, als hätte ich meine Zeit gehabt. Jetzt geht es langsam zu Ende mit mir. Ich wünschte, es wäre mehr drin gewesen. Ich wünschte, dass sich einmal die Umstände so gerichtet hätten, dass etwas höchst Unwahrscheinliches passiert, was meine tiefsten Sehnsüchte erfüllt. Leider bin ich jetzt zu sehr in der Abwärtsspirale gefangen und das seit Jahren. Ich sehe keine Möglichkeit, wie mir in diesem Zustand je etwas Wundervolles widerfahren könnte. Ich erinnere mich, dass es auch davor Probleme mit mir gab, doch sie fühlten sich anders an. Was sich dazwischen aufgebaut hat und Hoffnung verheißen ließ, war vielleicht nie mehr als eine immer größer werdende Blase.
Ich kreise abwärts und stets sinken damit auch meine Fertigkeiten. Doch ich verliere auch meine Fähigkeiten. Wenn ich etwas versuche, um wieder herauszukommen, dann sind diese Versuche so ineffizient, dass sie nichts an der Abwärtsbewegung ändern. Nein, ich schaffe es nicht mehr von alleine. Man könnte sagen, ich fahre in seltsamen, leeren Zügen durch das Niemandsland und halte ab und zu auf noch seltsameren Bahnhöfen. Um mich irgendjemandem je wieder öffnen zu können, müsste diese Person mich auf einem dieser verlassenen Stationen abholen. Jemand müsste das Gleiche empfinden während er sich an so einem Ort aufhält und gleichzeitig stark genug sein, mich wieder mitzunehmen. Nur dann bestünde Hoffnung. Aber ich habe keine Ahnung, wie ich beschreiben könnte, wie man diesen Bahnhof finden kann...
Doch ich glaube, niemand wird mich abholen wollen. Meine Missgunst hat schon zu viele vergrault. Ich empfinde Neid auf jene, die ich einst als beste Freunde bezeichnete - und wieder haben möchte. Ich vergleiche und ersticke im Anblick meines kleinen Lebens mit meinen schrumpfenden Fähigkeiten, die der Vergleich aufzeigt. Und dann verlässt mich jegliche Kraft, etwas Neues anzufangen. Dieser Zug ist bereits abgefahren. Ich bin neidisch auf mein Umfeld, dass sie Faszination an Dingen haben, Ziele verfolgen. Und ich kann das nicht. Aber ich war einst da. Das war meine Blase.
Ich bin dankbar. All der Neid kann meine Dankbarkeit nicht überlagern, die ich empfinde, weil ich eine wunderbare Zeit mit euch hatte. Ich wurde ohne Nachfrage aufgenommen und man hat mir gezeigt, was Hoffnung ist. Wir haben gemeinsam die Blase nicht nur vergrößert, sondern auch stabilisiert. Am Ende habe ich es nicht geschafft, aber diese Menschen vertrauten mir. Meine unwahrscheinlichen Träume konnte ich mit euch teilen. Jetzt bin ich nicht mehr genau so gerne gesehen, aber der Kontakt ist nicht abgebrochen. Mein Herz fühlt sich warm an, wenn ich daran denke.
Vielen, vielen Dank.
"Und so reiste er immer weiter anstatt zu verweilen und dazuzulernen. Stets war er auf der Suche nach noch ferneren Gegenden, noch seltsameren Zügen. Diese, so hoffte er, würden ihm mehr Anerkennung bringen. Genährt von langsam aufkeimendem Neid betrat er Tür um Tür und trat in zunehmend verlassenere Abteile. So kam es schließlich wie es kommen und musste und irgendwann verlor er sich dann. Er wusste nicht mehr, wo er war. Und dies ist ganz offenbar ein Problem, denn sein Ziel waren gewiss nicht die viel seltsameren Bahnhöfe, die er nur kurz betrat; doch er, seine Hoffnungsblase noch klar vor seinem inneren Auge, tat nichts zur Lösung dieses schwierigen Problems, sondern legte eine gefährliche Form des Semi-Optimismus an, welcher das Problem verschlimmerte und perpetuierte. Mit einem Fuß noch auf den Gleisen, dem anderen in der Sicherheit des Zugabteils, wurde er schließlich zermahlen."
Der Bankdiebstahl
vor 12 Jahren
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