Mittwoch, 21. Oktober 2015

Das einfache Gemüt

Eine süße, harmlose Erscheinung.
Es kann nichts leisten, sich nichts merken, nichts lernen.
Konsumieren ist das Aktivste, was es nur manchmal zu leisten imstande ist.
Es kann nicht aus sich herausgehen. Die Prozesse bleiben im Inneren.
Es denkt nicht nach, was es kommuniziert.
Es hat keinerlei Ziel, das motivieren würde.
Glück entsteht nur durch innigste Umarmungen von Frauen oder durch das Spüren der kühlen Luft an einem sonnigen Tag, an dem nach langer Zeit die Vögel zwitschern. Das ist alles, was es braucht.
Es kann sich manchmal auch schlecht fühlen. Schuldgefühle sind nichts Fremdes, aber die Konsequenzen bleiben im Inneren.
Es hat nichts beizutragen, nichts zu sagen, nur Floskeln hat es parat.
Es ist eine wahrhaftig eigentümliche Erscheinung. Wie hat es sich hierher verirrt?
Das Drollige aber ist das gleichzeitige Bedürfnis nach Eigenständigkeit.
Wer weiß, was daraus eines Tages noch erwächst.

Montag, 19. Oktober 2015

Mühevolle Hoffnung

Es war eine schöne Zeit. Doch sie ist vorbei und viel zu schnell vergangen. Ich habe nicht die Möglichkeit gefunden, sie für mich geltend zu machen, genauso wenig wie die Motivation, sie mit jemandem zu teilen.

So wird es immer wieder passieren. So passiert es, dass die Zeit für mich stehenbleibt. Es passiert alles viel zu schnell; Ruhe existiert nicht mehr in meiner Welt, das Denken gerät in die Endlosschleife darüber, was in unmittelbarer Zukunft getan und erledigt werden muss. Es ist mühsam, aber es geht schon.

Bin ich ein Beispiel der Symptome unserer Zeit? Ein wahrlich depressiver Gedanke. Ich glaube lieber, dass den anderen noch nicht abhanden gekommen ist, was mir fehlt. Konzentration, ein Ziel, und Tage, die im Gedächtnis bleiben. Vielleicht kann ich noch etwas beitragen, und andere werden es anerkennen.

Ich fühle mich schuldig. Die Zeit rennt, und ich merke es nicht. Ich habe meinen Weg noch nicht gefunden. Der Zug meines Lebens ist entgleist, die Räder kreischen durch den unvorhergesehenen Pfad aus Stein und Erde, angetrieben durch viel zu viel Schwung, und doch könnte es sein, dass ich am Ende auf Gold stoße.

Mein Herz bleibt verschlossen, aber das dient nur der eigenen Sicherheit. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, es jemals wieder zu öffnen, doch wer weiß, was die Zukunft mit sich bringt. Es ist vergleichbar mit einer Wand: Mir ist bewusst, dass hinter der Wand aus Angst die Erfüllung meiner Sehnsüchte liegt. Ich weiß, sie ist unendlich dünn. Doch ist sie für mich undurchdringbarer denn je; meine Überzeugung ist, dass mich bald etwas aus meinem kleinen Kreis der Möglichkeiten hinausbefördert, und zwar nicht der Mut, aber meine Bereitschaft, seltsame Schritte zu tun.

Ich denke an das Ende, wenn du nicht mehr da sein wirst. Das bleibt aber geheim, denn ich möchte nicht mit dir über dein Ende reden. Wahrscheinlich werde ich dann noch da sein um es mitzubekommen. Ich weine, denn ich weiß, wenn es soweit ist, werde ich die Zeit gemeinsam nur halb genossen, und die Erinnerung daran wahrscheinlich nicht geltend gemacht haben. Ich würde nicht wissen, wie das geht.

19. 10. 2015