[0:00]
Es ist tiefer Herbst. Vor dem Zuschauer
entfaltet sich, begonnen mit einer mäßig schnellen Aufblende aus
dem Schwarzen, die Szene eines einsamen Platzes mit hochgewachsenem
Gras. Am Rand kann man die Landstraße erahnen. Der diffuse Nebel
hängt so schwer, dass man als Zuschauer die Feuchtigkeit der Luft
förmlich spüren kann. Zugleich wirkt die Szene wie in ein dunkles
Grün getaucht, das von dem silhouettenhaften Nadelwald im
Hintergrund rührt.
Auf dem Platz steht ein einzelnes Auto.
Es ist alt, gebraucht, und hat eine kantige Form. Man sieht es ganz
zu Beginn mit einer Fernaufnahme. Später gibt es andere
Einstellungen, die das Auto näher zeigen. Das Gras bewegt sich
leicht im Wind. Die Szenenwechsel finden langsam statt, sodass der
Zuschauer genug Zeit hat, sich in eine nachdenkliche Stimmung zu
versetzen. Gegen Ende dieses Zeitabschnitts sieht man einen Mann,
Anfang 20, mit großen, langsamen Schritten hin- und herlaufen, mit
den Händen tief in den Jackentaschen und dem Kopf übertrieben in
Richtung Boden, so als ob er gerade nachdenkt und als ob er das
regelmäßig so machen würde. Er ist nicht traurig. Das geht jedoch
nur aus seinen Bewegungen hervor, denn sein Gesicht sieht man nicht,
vielmehr nur dunkle Umrisse. Er hat knapp schulterlanges Haar.
[1:54]
In einer Nahaufnahme sieht man ein
zweites Auto. Es hat jetzt den Anschein, als wäre es nicht gerade
erst gekommen. Es ist runder und wirkt demnach neuer. Draußen um das
Auto herum steht eine Gruppe von Leuten, eine Frau und drei Männer,
die ebenfalls etwa in dem Alter sind wie der Mann. Die Frau ist
klein, hat lange glatte Haare und lächelt viel. Die Männer sind
alle ziemlich groß und wirken sportlich. Die Gruppe unterhält sich
angeregt. Offenbar kennen sie sich schon sehr lange.
Der nur kurze Blick des nachdenklichen
Mannes in Richtung der Gruppe verrät, dass er diese Gruppe schon
vorher bemerkt hat, sich jedoch nicht von ihr in seinem Denkprozess
abbringen lässt. Diese Menschen, auf dem einsamen Platz,
koexistieren einfach.
[2:18]
Eine Aufnahme der Gruppe aus einer
gewissen Entfernung (sodass man kaum mehr als Umrisse erkennt) zeigt
dem Zuschauer, dass sie in einer Art Abstimmungsprozess sind. Jeder
redet jetzt einzeln, gefolgt von zustimmendem Nicken oder
nachdenklichem Kinnkratzen der anderen. Nach diesem kurzen Prozess
gehen sie gemeinsam mit langsamen Schritten auf den Mann zu. Als sie
bei ihm ankommen, zeigt er ein leichtes Lächeln, doch seine
Augenbrauen sind leicht hochgezogen. Sein Blick sagt "das ist
nett, aber nicht notwendig".
[2:52]
In einer neuen Einstellung sieht man
von weitem die Umrisse, wie einer der Männer ihm leicht auf die
Schulter klopft. Sie unterhalten sich kurz mit dem Mann. Nach einer
kleinen Pause setzen sich die fünf Personen langsam in Gang und
gehen zum Auto der Gruppe. Auf dem Weg dorthin laufen der Mann und
die Frau kurz nebeneinander. Er erzählt ihr etwas und sie hört mit
einem nur leichten Lächeln und Blick auf den Boden zu.
[3:20]
Alle steigen ins Auto. Man sieht es von
außen losfahren.
[3:33 - 3:40]
Eine Überblende des wegfahrenden
Autos, hin zu einer Außenansicht eines Holzhauses. Der Himmel ist
inzwischen noch dunkler und nun etwas bläulich, jedoch kann man
gerade noch Konturen von Wolken erkennen, die den ganzen Himmel
bedecken. In starkem Kontrast dazu sind die warmen, gelblichen
Lichter, die eher schwach aus zwei der Fenster des Hauses leuchten.
Sie schaffen es dennoch sofort, eine Erwartung von äußerster
Gemütlichkeit beim Zuschauer zu wecken, was das Innere des Hauses
angeht.
[3:46]
Die Kamera bewegt sich langsam durch
das Innere des Hauses, das sehr rustikal wirkt. Auf dem Dielenboden
sind dicke, flauschige Teppiche. An den Wänden hängen ausgestopfte
Jagdtrophäen. In dem großen Wohnzimmer stehen Sofas. Auf den
Regalen befinden sich viele Gegenstände, sodass die Innenräume
lebendig und alles andere als leer wirken. Auf den niedrigen Tischen
sind angezündete Kerzen, die ein warmes Licht erzeugen. Jedoch
wirken die Innenräume dunkel und geheimnisvoll.
[4:05]
Man sieht die Gruppe, wie sie auf dem
Sofa sitzt. Der Mann sitzt auch bei ihnen. Man sieht die Nahaufnahme
eines älteren Mannes, wie er in seinem Sessel sitzt. Man sieht
deutlich die Falten in seinem Gesicht, sein Blick wirkt angestrengt
bis müde, sein Mund ist fest verschlossen. Er blickt nur kurz auf,
aber meistens auf den Boden.
Etwas später kommen neue Menschen
dazu, etwa in dem Alter von jenen der Gruppe. Doch auch sie sitzen da
und erzählen nichts. Manchmal schauen sie sich gegenseitig an und
lächeln kurz, doch man merkt die Unsicherheit von allen. Der
nachdenkliche Mann mit dem schulterlangen Haar wirkt etwas müde und
schaut fast nur zu Boden. Dennoch ist die Stimmung nicht schlecht;
gelegentliches Lächeln der Mitglieder der Gruppe signalisiert, dass
eher eine gewisse Erwartung und Neugier in der Luft liegt.
[4:58]
Die Leute stehen auf. Reden
miteinander, lachen. Fangen an zu tanzen. Die Beleuchtung wirkt nun
auf einmal kräftiger, obwohl niemand etwas daran geändert hat. Der
Mann sitzt noch da, lehnt sich zurück und beobachtet, erst
ungläubig, doch zunehmend interessiert an dem, was gerade passiert.
Seine Körperhaltung spricht jetzt seine Zuversicht aus, dass er
trotz seiner Menschenangst diese Situation ohne Zweifel genießen
kann und voll und ganz verdient hat. Und dann die Frau, die da
alleine tanzt. Es ist nicht zu beschreiben, wie sehr sie ihn bereits
jetzt verzaubert hat. Er beobachtet und genießt es in in vollen
Zügen, ihre anmutigen Bewegungen beobachten zu dürfen. Die Stimmung
im Hintergrund wird immer ausgelassener, doch im Mittelpunkt steht
nur sie. Man sieht den alten Mann in seinem Sessel lächeln.
[6:55]
Die Frau hört auf zu tanzen, bleibt
stehen, erwacht wie aus einem tiefen Tagtraum. Es vergeht aber nur
ein kurzer Moment der Ziellosigkeit, bis sie den Mann auf dem Sofa
sitzen sieht und zu ihm hingeht. Sie reden miteinander, während sie
steht. Ihr Lächeln ist ganz und gar liebenswert und ihre Augen
leuchten dabei.
[7:13]
Beide stehen auf und tanzen zusammen.
Der Mann bewegt sich sehr holprig, aber umso mehr Freude scheint die
Frau dabei zu haben. Der Mann fühlt sich dadurch aber nicht
schlecht. Er ist vielmehr überglücklich, lächelt und schaut ihr
tief in die Augen. Der alte Mann lacht in ausgelassener Freude.
[7:38]
Die Szene beginnt irgendwie, schnell
unschärfer und dadurch unwirklicher zu werden. Erst ist es nur ein
kurzes Aufflammen der Unschärfe, dann nimmt sie jedoch immer weiter
zu.
[7:46]
Man sieht, in einem unangenehmen
bläulichen Ton, das geschlossene Lid des Auges des Mannes, wie es
leicht zuckt. Die Szenen der Feier in dem Haus tauchen nur kurz
pulsierend auf, bleiben aber nur unscharf. Sie schwinden immer mehr
in ihrer Intensität, und immer deutlicher sieht man das Auge, das
jetzt schon ein kleinen Spalt breit geöffnet scheint. Die Szenen des
Hauses zeigen sich nun im Zeitraffer.
[8:07]
Es sind keine Szenen mehr aus dem Haus
zu sehen, nur das deutliche Bild des Mannes, wie er im Bett liegt,
mit leicht geöffnetem Mund. Die Kamera bewegt sich in verschiedenen
Einstellungen um ihn herum. Es ist offenbar schon Tag draußen, doch
richtig hell ist es nicht und die Szene ist noch immer in einem
blassen bläulichen Ton gehalten. Am Ende sind die Augen fast so weit
geöffnet, dass es aussieht, der Mann könnte wach sein.
[8:26]
Wiederum eine Nahaufnahme vom Lid; der
Mann kneift es jetzt sehr stark zusammen.
[8:27]
Sofort kehrt die Szene vom Haus in
aller Deutlichkeit zurück. Die Stimmung der Menschen ist jetzt auf
dem Höhepunkt. Alle bewegen sich zur Musik, und doch fällt es ihnen
nicht auf, dass die Frau und der Mann sich auf das Sofa setzen,
miteinander reden, ihre wahren Gedanken austauschen. Die Frau berührt
die Hand vom Mann. Später setzen sich die anderen Männer aus der
ursprünglichen Gruppe mit dazu. Sie reißen Witze, lachen
ausgelassen. Der Mann gehört dazu.
[9:04]
Zurück zu der Szene im Bett: Der Traum
ist vorüber. Der Mann steht auf, steht müde im Bad und schaut in
den Spiegel. Er hat nur kurz ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Er
zieht sich schnell seine Sachen an, geht aber eher ungepflegt und
noch immer mit müdem Blick aus dem Haus. Er steigt in sein Auto und
fährt los.
[9:32]
In einer Innenansicht sieht man den
Mann im Auto fahren. Er fährt langsam durch die Straßen einer
kleinen Stadt.
[9:52]
Noch immer eine Innenansicht im Auto.
Die Kamera sieht dem Mann von hinten über die Schulter, wie er den
Hals herausstreckt und ausgeladen nach links und nach rechts schaut.
Offenbar ist er auf der Suche nach der richtigen Stelle. Er fährt
nun auf einer Landstraße, jedoch sehr langsam, um die richtige
Stelle nicht zu verpassen.
[10:06]
Ein Bild des Platzes. Man sieht, wie
der Mann das Auto einlenkt und auf den Platz fährt.
[10:11]
Die gleiche Szene wie am Anfang
erscheint. Wie am Anfang sieht man mit einer weiten Aufnahme das Auto
des Mannes. Wiederum bei einer näheren Aufnahme sieht man, wie er
angelehnt an das Auto steht. Er bläst seinen warmen Atem in die
kalte Luft, dass es aussieht als würde er rauchen. Er hat sein
Tagesziel erreicht und hat den Ort seinen Traumes gefunden. Er ist
irgendwie zufrieden darüber, aber auch ein wenig traurig, dass er
nie so stattfinden wird. Er denkt an nichts und blickt ins Leere.
[10:27]
Ein Auto biegt ein und fährt auf die
andere Seite des Platzes. Eine Gruppe von vier Menschen steigt aus,
eine Frau und drei Männer. Sie sehen den Traumpersonen enorm
ähnlich. Sie stehen um das Auto herum und unterhalten sich. Sie
lachen dabei. Der Mann schaut unentwegt in ihre Richtung und atmet
weiterhin durch seinen gespitzten Mund aus. Vermutlich fühlt sich
die Frau beobachtet, schaut kurz in die Richtung und schaut den Mann
für einen kurzen Moment an, in dem ihr Lächeln verschwindet. Im
nächsten Augenblick hat sie es jedoch vergessen, wendet sich der
Gruppe zu. Sie reden miteinander und lachen, während sie in das Auto
einsteigen und weiterfahren.