Sonntag, 14. September 2014

Das Glück des Gebens

Eine Sache klappt, bei der nächsten scheitert man wieder – kläglich. Die Versöhnung ist geglückt, und schon hat man den über allem drohenden Termin um eine halbe Stunde verpasst. Selbstverständlich bin ich darüber geschockt. Mit den Kommunikationsmitteln kann ich nicht umgehen und so auch nicht den entsprechenden Personen das Verpassen erläutern. Doch es gibt auch nichts zu erläutern. Die Welt geht nicht unter, nun ja, diese hier schon, es ist ihr schon immanent und zwar jeden Augenblick. Aber auf der anderen Seite habe ich die Sicherheit, dass etwas konstant und erhalten bleiben wird. Und so kann ich loslassen: auf einfachere Weise. Wie zufrieden können wir beide, ich und du, uns schätzen, dass das Ärgernis über das Terminvergessen das zweite beider Ereignisse war. Einfacher kann es wahrlich nicht werden.

Samstag, 13. September 2014

Als ich schon drohte, nicht mehr einzuschlafen

Wenn Eltern eine Geschichte über ihre Kinder erzählen, bin ich meist skeptisch. Nehmen wir zum Beispiel diese Geschichte, die der junge Vater erzählt hat, neben welchem wir uns, halb liegend, auf den feuchten Holzbänken platziert hatten: Dessen Sohn, vielleicht 6 Jahre alt, solle einst mit verschiedenen Backmitteln experimentiert haben. In einer alten, langen Badewanne aus Metall habe er an einer Seite - rein zufällig, versteht sich - jene Backmittel platziert, die bei Erwärmung sehr viel Energie erzeugen; an der anderen Seite erzielte das andere verwendete Mittel nur etwa halb so viel Wirkung. In der Folge bewegte sich das Kuchengemisch mitsamt Badewanne zunächst in die von der stärkeren Substanz gezogenen Richtung, dann die halbe Strecke zurück in die andere Richtung.

Vom Erfolg dieser Entdeckung brauche ich nicht weiter zu erzählen. Unter den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten fanden sich fortschrittliche Transportmittel, Kriegsgeschosse, Zirkusattraktionen und Vieles mehr...

An sich ist das natürlich eine glaubwürdige Geschichte. Und doch entdeckte ich schnell das fehlende Stück: Wie kam es, dass der Sohn diese Entdeckung rein zufällig machte und danach stets die richtigen Backmittel zur Hand hatte, um den gewünschten Effekt zu erzielen? Sehen Sie, das ist nicht möglich, auch wenn die Eltern ein Wunderkind in die Welt gesetzt haben. Jeder muss Misserfolge erleben und daraus dann die richtigen Schlüsse ziehen. Andernfalls kann es keinen Fortschritt geben.

Dennoch hat es der Vater irgendwie geschafft, mein Vertrauen zu gewinnen. Und zwar in dem Maße, dass ich ihn noch am Folgetag angerufen habe, um ihn darum zu bitten, etwas Aufmunterndes zu allem zu sagen. Dass er meinem Gejammer nach längerer Pause zwei kurze Sätze entgegnet hat, schätze ich natürlich, jetzt im Nachhinein, als wahre Größe und Wohlwollen ein. Ich bewundere ihn noch jetzt, trotz dessen ich aufgewacht bin.