Wenn Eltern eine Geschichte über ihre
Kinder erzählen, bin ich meist skeptisch. Nehmen wir zum Beispiel
diese Geschichte, die der junge Vater erzählt hat, neben welchem wir
uns, halb liegend, auf den feuchten Holzbänken platziert hatten:
Dessen Sohn, vielleicht 6 Jahre alt, solle einst mit verschiedenen
Backmitteln experimentiert haben. In einer alten, langen Badewanne
aus Metall habe er an einer Seite - rein zufällig, versteht sich -
jene Backmittel platziert, die bei Erwärmung sehr viel Energie
erzeugen; an der anderen Seite erzielte das andere verwendete Mittel
nur etwa halb so viel Wirkung. In der Folge bewegte sich das
Kuchengemisch mitsamt Badewanne zunächst in die von der stärkeren
Substanz gezogenen Richtung, dann die halbe Strecke zurück in die
andere Richtung.
Vom Erfolg dieser Entdeckung brauche
ich nicht weiter zu erzählen. Unter den vielfältigen
Einsatzmöglichkeiten fanden sich fortschrittliche Transportmittel,
Kriegsgeschosse, Zirkusattraktionen und Vieles mehr...
An sich ist das natürlich eine
glaubwürdige Geschichte. Und doch entdeckte ich schnell das fehlende
Stück: Wie kam es, dass der Sohn diese Entdeckung rein zufällig
machte und danach stets die richtigen Backmittel zur Hand hatte, um
den gewünschten Effekt zu erzielen? Sehen Sie, das ist nicht
möglich, auch wenn die Eltern ein Wunderkind in die Welt gesetzt
haben. Jeder muss Misserfolge erleben und daraus dann die richtigen
Schlüsse ziehen. Andernfalls kann es keinen Fortschritt geben.
Dennoch hat es der Vater irgendwie
geschafft, mein Vertrauen zu gewinnen. Und zwar in dem Maße, dass
ich ihn noch am Folgetag angerufen habe, um ihn darum zu bitten,
etwas Aufmunterndes zu allem zu sagen. Dass er meinem Gejammer nach
längerer Pause zwei kurze Sätze entgegnet hat, schätze ich
natürlich, jetzt im Nachhinein, als wahre Größe und Wohlwollen
ein. Ich bewundere ihn noch jetzt, trotz dessen ich aufgewacht bin.