Montag, 19. Oktober 2009

Die Last der Traumarbeit

Nun ein paar Gedanken zum Thema: Wie könnte es möglich sein, die eigenen nächtlichen Traumwelten mehr zu genießen?


Ich möchte dazu eine Frage voranstellen: Wenn man offensichtlich die eigene Welt im Kopf, die der Wachwelt in Sachen realistischer Wahrnehmung im Grunde genommen in nichts nachsteht, nach seinen Wünschen ändern kann, seine tiefsten Wünsche verwirklicht sehen und gleichzeitig keine anderen Individuen verletzen kein Widerspruch darstellt und wenn darüber hinaus diese utopisch anmutende Tatsache wissenschaftlich untermauert ist – für jeden Zweifelnden ohne Probleme recherchierbar -, dann muss man sich doch ernsthaft fragen, warum diese Möglichkeit, bis auf wenige Ausnahmen, im Allgemeinen auf Unkenntnis stößt. Nicht, dass über das Phänomen der luziden Träume nicht berichtet würde. Von Zeit zu Zeit finden sich auch in der populärwissenschaftlichen Sektion der Tageszeitung entsprechende Artikel.

Diese Frage kann sich jeder persönlich stellen. Was spricht dagegen, alles mögliche dafür zu tun, seine Träume zu kontrollieren? Ist es nicht die Heiligkeit des Schlafs, die so vielen Leuten innewohnt und die nahezu jeden, der eigens auf das Klarträumen hingewiesen wird, daran hindert, sich ernsthaft daran zu versuchen? Denken ist doch schon im Verlauf eines Tages eine erschwerliche Aufgabe. Wozu dann noch die Last auf sich nehmen und es in der eigentlichen Ruhephase des Lebens, dem Schlaf, fortsetzen? Hier liegt, meiner Ansicht nach, ein erster entscheidender Punkt, ein Abwägen, das jeder für sich selber erledigen muss. Was erscheint wertvoller: Das nächtliche Loslassen und damit einhergehend das offenbar regenerierende Abschalten oder aber das Festhalten an dem eigenen Gedankenfluss, das Anstrengung erfordert, aber Türen zum tatsächlichen Potential des menschlichen Geistes öffnen kann? Und überhaupt – wer sagt, dass ein Abschalten zwingend notwendig ist? Reden wir uns das nicht vielleicht nur ein, um ein Argument für die offenbar angenehmere Möglichkeit zu haben und uns damit zu beruhigen?

Nehmen wir an, jemand entdeckte das Verlockende an einer möglichen Traumkontrolle und möchte trainieren, seine Träume zu beeinflussen. Doch bevor das geschehen kann, muss er sich erst im Klaren darüber sein, was er eigentlich will – das erfordert auch einige Zeit des gezielten Nachdenkens. Denn wenn man bedenkt, dass alles, was man selbst je im Traum erreichen wird, für alle anderen Individuen keinen Bestand hat, ja im Grunde genommen gar nicht existiert, muss man wieder abwägen: Welche der eigenen egoistischen Ziele dienen auch dem Allgemeinwohl und sind es damit wert, in der materialistischen Wachwelt verfolgt zu werden? Welche wiederum sind ausschließlich egoistisch und hätten, im Großen und Ganzen betrachtet, negative Auswirkungen? Diese sind es letztendlich, denen man sich in seinen Träumen widmen darf und sollte. Alle anderen wären eine Verschwendung der Traumzeit.

Doch was will man eigentlich wirklich? Glücklich sind in diesem Fall die Verliebten, die nun ihrer Zuneigung für das Geliebte Genugtuung verleihen können. Glücklich sind auch die Trauernden, die den Schmerz des Loslassens eines geliebten Menschens oder einer geliebten Sache abdämpfen können, indem sie im Traum wieder damit in Kontakt kommen. Solange man sich aber nichts sehnsüchtig wünscht, sollte man wirklich überlegen, ob man die Last der Traumarbeit auf sich nehmen möchte.

Des Weiteren sollte sich jeder ernsthaft fragen: Möchte ich diese Fähigkeit nur beherrschen können, das Trainieren also nur zum Mittel zum Zweck verkommen lassen, oder möchte ich sie von Grund auf erlernen, was heißt, die Rückschläge nicht als Hindernisse anzusehen, sondern als Herausforderungen? Wenn man die Fähigkeit nur haben will, dann äußert sich das unter anderem darin, die fortgeschrittenen Techniken der Fähigkeit – in diesem Falle z.B. gleichzeitiges Träumen, Erkenntnisträume oder auch telepathisches Träumen – auch sobald wie möglich beherrschen zu wollen. Wenn man die Fähigkeit allerdings erlernen will, dann erkennt man auch die eigene Bereitschaft, die ersten kleinen Erfolgserlebnisse, so zum Beispiel ein erster halbbewusster Traum, als Etappenziel zu wählen.

Hier ist es also Aufgabe jedes Einzelnen herauszufinden, was die eigenen Ambitionen sind.

Hilfreich ist es für jeden Anfänger sicherlich auch, sich neben den ungeahnten Möglichkeiten des Klarträumens auch dessen nicht leugbare Einschränkungen vor Augen zu halten. Sicherlich erscheint es verheißungsvoll, die wildesten Phantasien ohne irgendeinen Nachteil auszuleben. Schließlich möchte man nach den Exzessen im Traum seinem Tagewerk ungeändert nachgehen. Hier sollte allerdings nicht übersehen werden, dass die eigene Psyche als Plattform des Traumgeschehens ja auch die Plattform der Wahrnehmung der Außenwelt und somit das ist, was wir als eigentliche Außenwelt bezeichnen. Deswegen kann man nur bedingt sagen, Träume würden die Wachwelt nicht beeinflussen. Sie beeinflussen die Wachwelt, und zwar in dem Maße, in dem sie uns beeinflussen.

Ich selbst habe mich oft der Überzeugung hingegeben, die Traumwelt sei ein Ersatz für mangelnde Erfolgserlebnisse im Wachen. Die Voraussetzung wäre hierbei die komplette Unabhängigkeit der eigenen Gedankenwelt von äußeren Erscheinungen. Doch die Erfahrung hat mich anderes gelehrt. Inspiration kommt nicht von innen, sondern man muss sie sich erst durch vielfältige Erfahrungen erkämpfen. Möchte man im Traum zum Beispiel einen gütigen Menschen treffen, muss man erst im Wachen die Güte eines Menschen erfahren haben. Also gilt auch als Voraussetzung für angenehme Träume: Man muss ein angenehmes Leben haben. Das allerdings ist nicht so schwierig wie es klingt, da Glück von einfachen Faktoren abhängt. Diese sind so banale Sachen wie frische Luft, ausreichend Bewegung, einfache sportliche Betätigungen und genügend Sonnenlicht - zusammen mit der Suggestion, dass diese Aspekte zu einem glücklicheren Leben helfen. Möchte man wirklich Traumarbeit leisten, sollte man sich also jedem Tag etwas Gutes tun. Es ist nicht einfach, wirklich dran zu bleiben, doch dabei hilft es, sich Folgendes zu vergegenwärtigen: Niemand kontrolliert, ob man einen Tag mit dem Sport ausgesetzt hat, außer man selbst. Diese Einsicht, dass man niemandem gegenüber verantwortlich ist, hilft, am nächsten Tag wieder weiterzumachen.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Die Schulzeit

In letzter Zeit träume ich recht oft von der Schule, obwohl ich schon vor Monaten das Abitur gemacht habe. Es ist immer eine sehr ähnliche Situation in den Träumen: Alle Abiturprüfungen liegen hinter uns, es gibt keine Benotungen mehr und die Schule geht trotzdem noch mehrere Wochen, bis sie endgültig zu Ende ist. Bis dahin sind alle Schüler noch in den Zimmern, oder auch auf den Gängen - das Aussehen der Schule ähnelt nie meiner in Wirklichkeit zuletzt besuchten, weshalb ich die Traumschule stets als fremd empfinde - und lassen sich von den sehr ermüdet wirkenden Lehrern noch unterrichten. Dabei gehen mir immer die selben Fragen nicht aus dem Kopf:
Wie kann es sein, dass die Schüler noch dabei sind, obwohl die Schule quasi vorbei ist und die Lehrer ihnen "nichts mehr anhaben" können?, Kann es überhaupt noch eine Pflicht sein, zur Schule zu kommen?, aber auch solche Fragen wie: Auf welche Weise könnte man als Lehrer die Schüler jetzt noch motivieren zuzuhören?
Nicht selten frage ich mich dann noch, ob ich nicht vielleicht etwas verpasst habe und doch nach Hause gehen kann, weil das zur Schule gehen nun, nach den Prüfungen, gänzlich freiwillig geworden ist. Aber im Grunde genommen will ich auch bleiben, eben weil alle Bekannte ein letztes Mal zusammen sind und das vielleicht sogar freiwillig. Auch wenn es komplett sinnfrei erscheint, dass die Schule nicht mit dem Abitur beendet ist, bin ich insgeheim dankbar dafür, dass es so ist. Das würde ich aber nie laut aussprechen!

Im Wachleben hab ichs schon am Tag der Zeugnisausgabe bereut, dass nun die Schulzeit vorbei ist. Selten wird es wieder so einfach sein, mit Menschen zusammenzukommen, mit denen man sonst nichts gemeinsam hat. Jetzt, mit ein bisschen zeitlichem Abstand kann ich sagen, dass ich an jenem Tag der Zeugnisausgabe die Vergangenheit verklärt habe: Insgesamt war die Schulzeit für mich doch größtenteils der Horror und ich bin froh, dass sie vorbei ist. Oder rede ich mir das doch nur ein? Die beständigen Träume geben mir da ein bisschen zu denken.