Sollte sie sich heute etwa
nicht melden? Beinahe zwanghaft lege ich mein Handy beiseite,
versuche, für einen halben Tag nicht draufzuschauen. Schalte es aus.
Nehme mir vor, eine zeitlang auch nicht von mir aus zu schreiben –
vielleicht für drei Tage? Und es hilft mir, ich komme voran mit
meiner Aufgabe. So gut sogar, dass ich kurzzeitig zufrieden bin mit
mir und mich ausgelaugt fühle und neue Energie brauche. Ich habe
mich in eine Situation gebracht, in der Essen und Trinken und
Schlafen nicht mehr ausreicht um alles wiederherzustellen. Oder tut
es das doch? Sei es drum, es ist meine Entscheidung. Der halbe Tag
ist vorüber. Ich schalte mein Handy ein und sehe, sie hat
geschrieben. Ich muss lächeln.
Ja, es ist meine
Entscheidung, mich gut zu fühlen aufgrund von etwas, das nicht mir
gehört und was mir jetzt auch nicht zusteht. Jeder kann sich so
entscheiden. Jeder hat diese Verantwortung. Aber bezahle es später
wieder zurück. Wenn du etwas Falsches machst, trage die
Konsequenzen. Falls du etwas Falsches machen möchtest, bitte
übertreibe es nicht, damit das Tragen der Konsequenzen nicht auf
jeden Fall in der Tragödie endet. Einmal ist es nicht allzu schlimm.
Zweimal wird schon schwieriger zu korrigieren sein. Aber lass etwas
zur Gewohnheit werden das dir nicht zusteht, und du wirst dafür
später bitter bezahlen um diese Ungerechtigkeit zu korrigieren.
Irgendein System wird verletzt sein. Vielleicht ist es das Meine,
und ich muss Verantwortung für meine Gefühle ablegen.
Fünf Jahre davor und wir stapften durch dichten Wald. Mitten in der Natur, doch ich war verloren in
Gedanken. Ließ dich daran teilhaben. Du schüttelstest nur deinen
Kopf, doch ich fand meinen Fehler nicht. Was, wenn es nicht besser
werden kann? Wenn wir alles zurückbezahlen müssen, was wir bekommen
haben? Woher soll es denn sonst kommen? Meine Antwort hieß, von
anderen Menschen. Viele leiden, damit andere glücklich sind; doch in
der Summe gibt es Nichts. Vielleicht sogar noch weniger. (War da
nicht irgendwas mit Thermodynamik?) Was hat Wirtschaft für einen
Sinn? Und wenn diese Sinn hat, was hat sie für eine Moral? Und wo
ist überhaupt Moral, wenn alles Energie ist?
Wenige Jahre später habe
ich dann meinen Fehler gefunden. Es gibt Wirtschaft, weil nicht klar
ist, dass die Summe notwendigerweise konstant bleibt oder kleiner
wird. Wirtschaft ist Optimismus. Sie ist moralisch verwerflich, wenn
sie sich auf anderen dauerhaft abstützt. Aber sie ist nicht immer
so. Die Zukunft ist wahrscheinlich, aber nicht gewiss. Warum nicht
versuchen, etwas Positives zu erschaffen? Mein Fehler war zu glauben,
die Erde sei ein geschlossenes System. Doch die Sonne ist für uns da
und spendet Energie. Ohne zu fühlen. Die Möglichkeit der bemannten
Raumfahrt begann mich zu faszinieren. Die Sonne gibt es bald nicht
mehr, doch es gibt die Sterne. Die Sterne gibt es in ferner Zukunft
nicht mehr, doch es gibt noch die Ungewissheit, wie sich Bewusstsein
und Energie zueinander verhalten und die Möglichkeit, an
optimistische Lösungen zu glauben.