Du fragst mich: Was bedeutet Freundschaft in unserem Leben?
Mein Blick wandert umher, von der Bank, auf der wir sitzen, zu dem grauen, bewölkten Himmel, der uns schon die ganzen letzten Monate begleitet, zu den Vögeln, die vorbeifliegen und auch zu den vielen Menschen in ihren Anzügen, die zielstrebig durch die Gegend laufen. Irgendwo in der Nähe hört man das Plätschern eines einfachen Springbrunnens. Es ist ein weitläufiger Platz, auf dem wir sitzen, so wie es hier eben etliche gibt, aber es passiert nichts. Nein, es ist keine schöne Stadt zum Leben, aber es gibt keine andere Wahl, und irgendwie kriegt man hier schon seine Zeit vorüber.
Ein neuer Lebensabschnitt. Noch steckst du mittendrin in deinem jetzigen, doch wenn du nur ein bisschen nach vorne blickst, dann siehst du unweigerlich, wie schon bald wieder alles auseinandergehen wird. Wieder von Neuem anfangen, fremde Leute kennenlernen, neues Vertrauen erwerben – ist dir das zu anstrengend?
Denkst du etwa, du könntest es dir gemütlich machen, nur weil du dich hier wohl zu fühlen beginnst? Nur weil du nach langer Suche endlich auch bei deinem neuen zu Hause Menschen gefunden hast, mit denen du schon viel erlebt hast und die du als Freunde bezeichnen kannst? Glaubst du allen Ernstes, dass das neue Heimatgefühl ein Grund dafür ist, sich darin auszuruhen?
Sieh doch nur, wie vorläufig alles ist! Alles wird sich verlaufen, all die gemeinsamen Stunden, die ach so einzigartig waren, sie werden schon sehr bald nicht mehr möglich sein und du wirst dich wieder nach neuen Bekanntschaften umsehen müssen! Dann wirst du wieder bei Null anfangen und versuchen, alles neu aufzubauen. Gewiss wird es bei jedem Neuanfang immer schwerer werden, da auch du immer älter wirst und dann werden wir ja sehen, ob du immer noch deine Zeit damit verschwenden willst, in deiner Langsamkeit Kontakte zu knüpfen!
Und überhaupt: Wie abhängig bist du nur von der Anerkennung anderer, von jenen Menschen, die dir viel bedeuten! Aber siehst du denn nicht, dass auch sie immer älter werden? Jene, die immer für dich da waren; du glaubst ihnen mit allem was du tust etwas beweisen zu müssen, aber wenn sie bald nicht mehr da sind – was unweigerlich passieren wird – wofür wirst du dich dann überhaupt noch anstrengen? Was du aus deinem Leben machst, wem willst du es denn am Ende zeigen? Vergiss doch endlich das scheinbar Selbstverständliche, vergiss deine Kindheitserinnerungen, vergiss die Vergangenheit, schon bald bist auch du ein alter Mann und es ist keiner mehr da, mit dem du aufgewachsen bist, der dich wirklich kennt.
Ich sehe es in deinem Blick. Glaub ja nicht, dass du Trost finden wirst, indem du dir einredest, dass du irgendwann doch noch zurückkehren kannst.
Ein kleines bisschen finde ich es schon rührend von dir, welche Ziele du dir setzt, aber letztendlich bin ich doch verständnislos, wie du dich selber damit zerstörst. Du musst sehen: Egal, wie sich die Dinge zu entwickeln scheinen, am Ende bleibst du allein. Alles verändert sich.
Der Bankdiebstahl
vor 12 Jahren