Sonntag, 15. August 2010

Teile von uns

Wenn ich über die kleinsten Bestandteile der Welt nachdenke, fallen mir dazu spontan drei Möglichkeiten ein.

Zum einen könnte man vielleicht auf eine einfache mathematische Tatsache stoßen, aus der weitere logische mathematische Zusammenhänge erwachsen und sich eine immer länger werdende Kette aus logischen Schlussfolgerungen bildet, bis schließlich ein kleines Teilchen entsteht, das aufgrund der Regeln der Mathematik so existieren muss und keine andere Wahl hat. Und dieses kleine Etwas ist wiederum Grundlage für größere Bestandteile unserer Welt. In diesem Sinne wäre alles, was wir wahrnehmen und was zu existieren scheint, eine einzige riesige mathematische Rechnung, die deshalb da ist, weil sie die einzig logische ist.

Andererseits könnte dieses kleine Teilchen auch nur subjektiv existieren und veränderbar sein. Womöglich existiert unsere Welt nur auf diese Weise, weil der winzigste Bestandteil auf eine bestimmte Art definiert wurde und auf diesem grundlegendsten Zustand alle größeren Erscheinungen aufbauen. Sollte es einem Lebewesen möglich sein, den Zustand zu ändern, könnte es demnach vielleicht passieren, dass vollkommen andere, mit unserem jetzigen Verständnis der Physik unvereinbare Naturgesetze zum Tragen kommen, die womöglich nicht einmal irgendeine Form von Leben zulassen.

Oder aber es gibt gar keinen unteilbaren Bestandteil unserer Welt: Wenn man immer tiefer in die kleinste Materie forscht, entdeckt man irgendwann, dass es in der Tat gleichzeitig die größten kosmologischen Erscheinungen sind, die man mit der mikroskopischen Welt verwechselt. Denn vielleicht gleicht alles, was existiert, einem geschlossenen Kreis, der das Größte mit dem Kleinsten verknüpft. Makroskopische Erscheinungen aus dem Weltraum wären somit sehr eng mit den Teilen eines Atoms verbunden, und ab einem gewissen Punkt entspricht das eine dem anderen. Wäre das wahr, existierten wir unendliche Male, immer in der nächstgrößeren Welt und der nächstkleineren.

Wenn ich nachts draußen liege und in den klaren Sternenhimmel sehe, glaube ich an die letzte Möglichkeit.